24 Jun

Wo gibt´denn sowas: Tätowierte Lederhosen?

Brandner&Kneissl, Lederhosentätowierer GF Michael Thalhammer, 39J,

Lederhosen-Tätowierer Michael Thalhammer, 39 Jahre, in seinem Laden in Sauerlach.

Bald ist wieder Oktoberfestzelt und wir sehen Dirndl und Lederhose zu Hauf` in der U-Bahn, auf den Straßen und überall in München. Lederhosen zu tätowieren, das ist eine Aufmüpfigkeit gegenüber dem Althergebrachten und hätte dem Brandner und auch dem Kneißl, den wohl legendärsten bayerischen Rebellen, sicher auch gefallen. Brandner und Kneißl, das sind: Räuber Kneißl, der sich einst als Robin Hood der Voralpen gegen die Obrigkeit stellte und der mit 30 Jahren an der Guillotine endete, und Brandner Kaspar, der mit reichlich Schnaps beim Kartenspiel sogar dem Tod ein Schnippchen schlug. Darum stehen die beiden Aufrührer auch mit ihren Namen Pate für den 2015 eröffneten Laden „Brandner und Kneißl“ von Michael “Michi” Thalhammer. Genauso wie für zwei der Lederhosenmodelle, die er seither in Sauerland vor den Toren Münchens verkauft. Michael Thalhammer „tätowiert“ traditionell hergestellte Lederhosen und macht sie so zu einzigartigen Unikaten.

„Ich hab Lederhosen selbst einfach wirklich gerne an. Vor allem im Sommer. Das war schon immer so. Lange bevor ich mit dem Laden anfing. ’ne ordentliche Lederhosen und ’n lässiges T-Shirt dazu – das ist perfekt und genau mein Style“, erzählt der 39-Jährige, der zunächst im Münchner Süden und später in der Isarmetropole aufgewachsen ist.

Seinen Stil komplettieren Tätowierungen: „Ich steh einfach auf Tattoos“, weshalb er dem Laden angeschlossen auch ein helles Tattoo-Studio eingerichtet hat – in diesem Fall für Menschen und nicht für Lederhosen. „Als kleinen Mode-Rebellen sehe ich mich schon auch“, lacht Michael ‚Michi’ Thalhammer, als er seine Lederhosen zeigt. Gearbeitet nach allen Regeln der Schneiderkunst aus knapp drei Millimeter dickem Hirschleder, verziert mit traditionellen Stickereien in gelb, grün oder blau. So weit, so bekannt. Die Besonderheit von Thalhammers Kreationen: Er tätowiert seine Lederhosen. Das „Tätowieren“ ist eigentlich ein Einbrennen, doch die Motive sind so individuell wie ein Tattoo.

Brandner&Kneissl, Lerderhosentätowierer GF Michael Thalhammer, 39J, in seinem Laden in Sauerlach,Bayern. Thalhammer brennt Logos in Hirschlederhosen, Tätowiererinnen Katarina Menne (am Tätowieren) und Marion Glas (an der Lederhose)

Michi Talhammer zeichnet zunächst die Logos auf, …

Brandner&Kneissl, Lerderhosentätowierer GF Michael Thalhammer, 39J, in seinem Laden in Sauerlach,Bayern. Thalhammer brennt Logos in Hirschlederhosen, Tätowiererinnen Katarina Menne (am Tätowieren) und Marion Glas (an der Lederhose)

… bevor er sie in die Lederhosen brennt.

Bis er den Laden eröffnete, war der studierte Sozialpädagoge sieben Jahre Sänger und Gitarrist der Party-Band „Wuidara Pistols“, die auf der Wiesn spielte, „auf jedem Bierfest und auf jeder Hochzeit. Damals ließ ich mir mal einen Totenkopf mit Gamsbart auf die Hose sticken. So ganz glücklich war ich aber nicht damit. Durch die Stickerei war die Hose wie ein riesiges Brett.“

Als er später an seinem Ladenkonzept feilt, weiß er: Ganz außergewöhnlich verzierte Lederhosen zu verkaufen, das wär’s. Doch große Stickereien kamen dafür nach den eigenen Erfahrungen nicht in Frage. „Eines Tages hab ich dann an meinen Großvater gedacht. Daran, dass bei ihm früher überall diese gebrannten Holzbrettchen mit Motiven und Sprüchen hingen. Da überlegte ich: Warum kann ich nicht einfach eine Lederhose mit Motiven brennen?“

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Die eingebrannten Motive wirken wie Tattoos. Wie genau ein Lederhosen-Tattoo entsteht? Daraus macht der Oberländer ein kleines Mysterium. Verwunderlich ist’s nicht, wenn man weiß, dass er seine Brennmethode für Lederhosen gerade patentieren lässt.

„Vom ersten Tag an waren die Reaktionen auf die tätowierten Lederhosen sofort positiv“, verrät der Ladenbetreiber. Das beliebteste Branding ist der Wilderer und Volksheld Jennerwein. „Außerdem individuelle Brandings wie Familienwappen, Handwerkswappen oder Initialen. In jedem Fall ist jede meiner Lederhosen ein Unikat, angefangen beim Leder bis hin zur Verzierung.“

Dabei war es am Anfang gar nicht die Idee, ganz eigene Lederhosen schneidern zu lassen. „Aber dann dachte ich mir: Mach ich doch lieber gleich ’ne Lederhose, so wie ich sie mir vorstelle.“

Neben „Brandner“, dem traditionellen Modell mit engem, keilförmigen Bein, und „Kneißl“, der eher hüftigen Hose, die im Sitz an Boardershorts erinnert, hat Thalhammer noch eine Mischung aus beiden Schnitten, die „Haritax“, entworfen. „Das war der Spitzname meines anderen Opas.“ Eine alte Fotografie von ihm hängt gleich neben der hölzernen Ladentheke. „Der hat auch Musik gemacht. Vielleicht habe ich deshalb auch eine ganz besondere Beziehung zu ihm, obwohl ich mich kaum an ihn erinnern kann.“

Brandner&Kneissl, Lerderhosentätowierer GF Michael Thalhammer, 39J, in seinem Laden in Sauerlach,Bayern. Thalhammer brennt Logos in Hirschlederhosen, Tätowiererinnen Katarina Menne (am Tätowieren) und Marion Glas (an der Lederhose)

Jedes Stück ist liebevoll handgearbeitet.

So, wie die Lederhosen würdevoll auf dem schweren Holztisch im „Brandner und Kneißl“-Laden liegen, sieht man ihnen an, wie viel Aufwand und Hingabe in ihrer Herstellung stecken: Thalhammer lässt die Hosen in der Region maßkonfektionieren. Das Leder kommt aus heimatlichen Gefilden und wird in einer kleinen Gerberei seines Vertrauens bearbeitet. „Ich schau mir jedes Stück Leder genau an; nur wenn’s perfekt ist, wird’s hergenommen. Meine Hosen sind immer vom Sommerhirsch, da ist die Haut dicker. Alles wird sämisch gegerbt – dabei wird Heringsöl genutzt, so dass das Leder besonders weich und langlebig wird.“

„Meine Hosen sind genau so, wie ich mir ’ne ordentliche Lederhosen vorstelle“, schiebt der Bayer hinterher. „Traditionell und doch ganz lässig. Ich nenne das gerne ‚Bavarian Surfstyle’. Darin vereinen sich meine Liebe zu Bayern und meine Leidenschaft zum Strand und Meer.“

Und seine Kunden? Sie geben ihm Recht und mögen diesen Stil ebenfalls. Ob Mitte zwanzig oder mit erstem Grau im Haar. Dass er seinen Laden auf dem Land, wo er auch mit seiner Familie wohnt, aufmachen würde, stand für Michi von Anfang an fest: „Zwischen München und dem Tegernsee gelegen, hat Sauerlach eine günstige Lage. Das wichtigste: Ich fühle mich hier pudelwohl. Sauerlach ist noch immer ein Dorf. Und wenn ich drei Kilometer weiter fahr’, dann bin ich wirklich auf dem Land.“

Vor allem samstags ist viel los in dem kleinen Geschäft. Wenn die richtige Farbe und der passende Schnitt ausgesucht werden. Wenn ausgiebig über das gewünschte Lederhosen-Tattoo gesprochen wird. Denn eins ist klar: So ein Unikat lässt sich nicht im Internet bestellen. „Meine Hosen muss man anfassen!“

Um den Bavarian Surfstyle, diese modische Liaison aus bayerischem Brauchtum und modernem bayerischen Lebensgefühl perfekt zu machen, bietet Thalhammer neben Lederarmbänder und den Krachledernen seines eigenen Labels AlohaBAVARIA auch lässig kombinierbare Kleidungsstücke wie Bio-Baumwoll-Shirts, First-Cut-Lambswool-Janker aus heimischen Handwerksbetrieben an.

Doch Rebellentum hin oder her. In einer Frage gibt sich Thalhammer ganz traditionell: „Für Frauen mach ich keine Lederhosen. Eine Frau sieht im Dirndl viel zu schön aus, um sie in eine Lederhose zu stecken.“

Quelle und alle Bilder: © Bayerntourismus

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