26 Aug

So gesehen: Wenn Hüllen respektlos fallen

In der aktuellen Ausgabe der Brigitte (Nr. 18 vom 17.8.2016) spricht auf der letzten Seite Autorin Ildikó von Kürthy zu den Leserinnen. Problemzonen heißt ihre regelmäßige Kolumne und dieses Mal hat sie die Frauen 50+ im Visier. Selbst bereits 48 Jahre alt, mussten wohl ein paar Sätze über Frauen fallen, deren Figuren bedingt durch Wechseljahre und Alter nicht mehr top in Form sind. Schließlich hat Ildikó von Kürthy im Dezember 2015 den Titel Neuland auf den Markt gebracht, in dem sie den Beginn ihrer eigenen Hormonumstellung schildert. Eine ausführliche Rezension des Titels wird demnächst folgen.

Nur so ist es eigentlich zu klären, dass an den Haaren herbei gezogene Thesen in ihrer Kolumne Niederschlag fanden. Wie gewohnt von ihr, ist sie dabei nicht zimperlich mit ihren Ausdrücken und beschreibt anschaulich “reife, üppige Frauenkörper in eng anliegenden schulterfreien Roben aus wie Presswürste mit Pailletten oder nachlässig verhüllte Litfaßsäulen” die sich auf Abendveranstaltungen sehen lassen. Für mich stellt sich die Frage, wo der Unterschied in Abendgarderobe liegt – trägt man im Winter nicht auch eng anliegende, schulterfreie Roben, denn für die Kälte draußen gibt es Mäntel? Bewundern wir nicht auch im Winter die ganzen Promis, Stars und Sternchen, die in der Kälte auf den roten Teppiche zähneklappernd posieren?

Doch weg von den elitären Abendveranstaltungen, zu denen Frau von Kürthy wohl öfter eingeladen ist und wir als Lieschen Müller nur mit langer Nase vor verschlossenen Türe stehen. An den Ampeln sollen wir uns gefälligst unserer Figur entsprechend kleiden. Nun habe ich schon öfter von Autounfällen gehört weil die autofahrenden Herren einer knackigen Blondine zu lange nachsahen, anstatt sich auf den Verkehr – den mit den Autos – zu konzentrieren. Unfallmeldungen, die durch eine am Straßenrand “wuchtig auf die 50 Zugehenden” ausgelöst wurden, sind äußerst selten.

Aber Frau Kürthy verlässt sich nicht auf ihre Meinung alleine, sondern zieht eine Stilberaterin zu Rate. Und diese zieht so richtig vom Leder: “Mit 20 siehst Du in allem gut aus” und beschränkt das aktive und modisch angesagte Leben von uns Frauen mit dem nächsten Satz auf 45 Jahre: “25 Jahr später solltest Du durch eigenen Stil und Eigenschaften wie Intelligenz punkten statt durch möglichst knappe Kleidung”. Ich dachte immer, Intelligenz sei angeboren und würde sich auch schon in der Pubertät zeigen.

Und dann kommen die Tipps von der Stilberaterin, die einem die Haare zu Berge stehen lassen: Schmale Hosen sehen immer gut aus. Ich hatte Zeit meines Lebens etwas kräftigere Oberschenkel – das einzige was ich auch schon als junges, sehr sportliches Mädchen gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser – waren schmale Hosen. Erfreulicherweise lag meine Pubertät in den modischen Zeiten der Bundfaltenhosen, die so manches kaschierten. Für das Oberteil empfiehlt uns die Stilberaterin eine weiteres T-Shirt mit mittellangem, schmalen Ärmel bis zum Ellenbogen oder ein knielanges Hemdblusenkleid. Und dies alles bei 30 Grad Außentemperatur.

Am besten finde ich jedoch ihren Hinweis auf den “weich fallenden Sommer-Trench”, der uns groß und schlank macht. Nicht Absätze strecken, sondern ein Sommer-Trench. Und nun meine Damen bei 30 Grad im Schatten und der nächsten Hitzewelle, wetten, dass kein Tröpfchen Schweiß nach außen durch den luftdichten Sommer-Trench nach außen dringt? Und mit dem Sommer-Trench schlagen wir auch gleich zwei Probleme mit einer Klappe: Es gibt sie meist nur in langärmelig. Also keine Schwabbel-Oberarme gefährden den Straßenverkehr an den Ampeln.

 

Frisch kolumnisiert hat auch Susanne Ackstaller von Texterella.de das Thema. Ihre Kolumne aus der Welt liest Ihr hier:

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte CAPTCHA lösen: *