05 Apr

Nur alle drei Jahre: Die Johannifloßprozession in Wolfratshausen

Ich bin in letzter Zeit immer öfter in Wolfratshausen. Nur knapp 30 Kilometer südlich von München liegt Wolfratshausen. Die kleine Stadt zwischen Loisach und Isar hat etwas sehr Charmantes und ist Ausgangspunkt der Floßfahrten nach München.

 

Im Herbst werden die Baumstämme für den nächsten Sommer vorbereitet.

Die Flößer hatte ich im Interview und habe tolle Aufnahmen von ihrer Holzbearbeitung gemacht. Jetzt freue ich mich schon auf den 20. Mai, wenn die Johannifloßprozession statt findet. Vor drei Jahren habe ich es aus Zeitgründen nicht geschafft, aber dieses Jahr will ich mir dieses Ereignis nicht entgehen lassen.

Am 20. Mai bitten die Flößer um den Segen des Heiligen Nepomuk und in der Dämmerung legen die drei 18 Meter lange Flöße Im Fackelschein ab. Zu Ehren des Brückenheiligen St. Johannes Nepomuk begeht Wolfratshausen am 20. Mai die stimmungsvolle Johannifloßprozession und bittet um Segen für die Flößer, ihr Jahrhunderte altes Handwerk und die kommenden Saisons. Das eindrucksvolle Spektakel findet seit 1994 alle drei Jahre statt und lockt zahlreiche Zuschauer ins Tölzer Land.

Gestartet wird zu Wasser um 20.45 Uhr, zu Land um 21 Uhr. Während die Flöße den Fluss hinabgleiten, zieht der Festzug aus Wolfratshausener Traditionsvereinen und Gästen vom Marienplatz zur alten Floßlände und erwartet das Eintreffen der 2017 erstmals drei Flöße, das zuvor mit drei Böllerschüssen angekündigt wird. Nach der feierlichen Segnung treiben die hölzernen Riesen weiter gen Kastenmühlwehr und werden dort mit volkstümlicher Musik und einem großen Feuerwerk über dem Bergwald empfangen.

Schon Edmund Stoiber ist bei ihm mitgefahren, verrät Josef Seitner. „Bei der Schleuse hat das Spritzwasser ihn ganz schön erwischt, aber ausgemacht hat es ihm nichts“, lacht der 69-Jährige, der seit 2001 einen der Giganten bei der Johannifloßprozession steuert. Seitner, der zu einer der alteingesessenen Flößer-Familien in Wolfratshausen gehört, befördert dieses Jahr die Flößer, ihre Familien und Ehrengäste, seine Kollegen Politiker und Stadträte. Erster Zwischenstopp ist die alte Floßlände, die nach etwa 30 Minuten erreicht ist. Dort werden vor dem Anlegen der Holzgefährte dutzende selbstgebastelte Boote mit brennenden Kerzen von den ansässigen Schulkindern in die Loisach gesetzt, um den Fluss hinab zu schwimmen.

 

Die Kinder warten auf den großen Auftritt: © Birgit Rilk

Nach einem Festzug durch die Stadt warten schon der katholische und evangelische Pfarrer, die Gebirgsschützen, die Trachtenvereine und zahlreiche Besucher. „Die Segnung der Flöße ist der ergreifende Höhepunkt der Prozession“, erklärt Josef Seitner. Dann geht es weiter die Loisach hinab. Am Ufer leuchten Fackeln den Weg und Lichterketten an den Brücken erhellen die Nacht. „Es ist ein ganz besonderer Zauber, der der Zeremonie innewohnt“, schwärmt Josef Seitner und freut sich schon auf seine nächste feierliche Fahrt.

© Birgit Silk

Die Johanni-Floßprozession ist Höhepunkt des 30. Deutschen Flößertages, der von 18. bis 21. Mai in Wolfratshausen stattfindet. Dazu werden rund 150 Gäste der Deutschen Flößerei-Vereinigung e.V. erwartet, die mit Tracht und Fahnen am Festzug teilnehmen werden.

 

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