22 Okt

Diagnose: Zöliakie

Es traf mich wie ein Schlag, als ich Montag nachmittag kurz vor vier Uhr hörte, “Sie haben Zöliakie – Sie müssen ab sofort glutenfrei essen. Wissen Sie, was glutenfreie Ernährung ist?”

Betrapst stammelte ich ein hilfloses Ja. Ich wußte, was glutenfrei essen heißt. Meine Schwägerin macht einmal im Jahr auf Anraten ihrer Orthopädin, eine glutenfreie Phase von mehreren Wochen. Und wir waren kurz vorher gemeinsam einkaufen und ich lies mir damals das “glutenfreie Kochen” erklären, ohne zu ahnen, dass es kurze Zeit später für mich von Bedeutung sein sollte.

Nun hatte ich diese Diagnose, aber nicht nur für eine kurze Zeit, sondern für den Rest meines Lebens. Wie für den Rest meines Lebens keine Butterbrez’n mehr? Nudeln soll es glutunfrei von Barilla geben, ich hatte erst welche mit meiner Schwägerin gekauft. Kein Brot mehr – kein frisches Baguette am Sonntag morgen, selbst gebacken. Was soll ich mit der Brotbackmaschine machen, die ab Herbst bis Frühjahr meist einmal die Woche lief?

Am nächsten Morgen fuhr der geduldigste Ehemann aller mit mir in den nächstgelegenen Rewe-Markt, damit wir sehen konnten, was es alles glutenfrei gibt. Vor allem mussten wir auch etwas einkaufen, was ich auf dem Langstreckenflug nach San Francisco mitnehmen kann. Wir wussten damals noch nicht, dass man glutenfreies Essen bestellen kann, bzw. wir waren zu spät dran. So habe ich auf dem 12-Stunden-Flug nach SFO tatsächlich nur meine mitgebrachten hart gekochten Eier und eine große Tomate gegessen. Für den Rückflug konnten wir  dann eine  glutenfreie Mahlzeit bestellen.

Wir kauften glutenfreie Salzbrezeln, einige Kekse  und sage und schreibe fünf halbe Scheiben Vollkornbrot für 3,95 Euro. Im September 2015 war der Glutenfrei-Trend in Deutschland noch nicht erwacht und Discounter und großen Lebensmittelketten hatten diese Marktlücke noch nicht entdeckt.

Diagnose Zöliakie

In Kalifornien gibt es zahlreichen glutenfreie Produkte

In Kalifornien angekommen, staunten wir nicht schlecht: Es gab eine eigene “Glutenfree”-Reihe im Supermarkt, voll mit glutenfreien Produkten. Schnell Corn Flakes und Granola (Müsli) in den Einkaufswagen –  das Frühstück war gesichert. Essen gehen in San Francisco war ebenfalls total einfach, weil wir direkt neben China Town wohnten und der geduldigste Ehemann aller chinesisches und asisatisches Essen in allen Variationen liebt.

Omni San Francisco, Jacke: Colorado Cotton

Und gleich am ersten Morgen, leistete ich mir an Pier 44 kurz vor der Abfahrt nach Alcatraz ein Frühstück, das 100 Prozent glutenfrei war: Ein kleines Steak, zwei Spiegeleier und Hash Browies, die amerikanischen Bratkartoffeln zum Frühstück. Es war wirklich das erste Steak meines Lebens zum Frühstück, aber man muss auch dazu sagen, dass wir bedingt durch den Jetlag schon seit fünf Stunden wach waren und zwei Stunden frühmorgens schon durch San Francisco gebummelt waren. Also war es vom Körpergefühl gesehen eher Mittag. Auf alle Fälle habe ich mein erstes Steak-Frühstück so richtig genossen und so langsam freundete ich mit dem “Glutenfrei-Leben” an.

An unseren letzten Abend in San Francisco verbrachten wir in der Bar des Four Seasons San Francisco. Der Begriff Bar führt jetzt in die Irre, neben der Bar ist ein Bereich mit Tischen und Stühlen angesiedelt, wo man aus einem kleineren “Bar Menue” verschiedene Gerichte bestellen und die wunderbare Küche des Four Seasons San Francisco genießen kann. Ohne gleich in dem doch etwas teueren Restaurant sitzen zu müssen. Es ist dort auch etwas legerer, aber es ist die selbe Küche. Ich klappte die Speisekarte auf und – siehe da – es gab ein kleines “gf” vor eigenen Gerichten. Zum Beispiel das Sashimi und das Steak waren mit “gf” gekennzeichnet.

Was macht man als treuer Ehemann eines Zölis – man teilt sich Sashimi als Vorspeise.  Und nimmt auch rücksichtsvollerweise ein Steak mit Sellerieschaum und kein Nudelgericht. Es war ein wunderbarer Abend, wir haben köstlich gespeist und ich vergass fast meine Einschränkung.

Auch an vielen Food Trucks sah ich den Hinweis “glutenfree” und in San Francisco und Kalifornien kam ich mit meiner Ernährungsumstellung prima zurecht. Als wir unsere Zelte in San Francisco abbrachen und unseren Mietwagen im Stadtbüro abholten, hatte ich zu wenig gefrühstückt. Wir gingen von der California Street bis zur Market in das Mietwagenbüro zu Fuß und San Francisco ist ganz schön hügelig, nach diesem Marsch knurrte mir der Magen. Dann mussten wir fast eine Stunde warten, bis wir bei der Autovermietung an der Reihe waren –  kurzum ich war kurz vorm Umkippen. Das war eine Sache, die ich länger nicht in den Griff bekam. Durch den Wegfall von sogenannten Sättigungsbeilagen wie Nudeln oder komplexe Kohlehydrate, die lange satt machen, komme ich manchmal in den Unterzucker, bzw. überhungere mich.

So war es auch im Mietwagenbüro. Wir wollten nur noch schnell das Auto aus dem Parkhaus holen, um dann gleich zu einem Supermarkt zu fahren. Und als wir in das Parkhaus gingen, gab es dort eine kleine Bäckerei, die ausschließlich glutenfreie Muffins anbot. Leider hatte er eigentlich noch zu, aber die glutenfreien Muffins buken schon im Ofen. Das half mir zwar nicht in diesem Moment, ich musste mich mit einer Banane trösten, die er auch verkaufte.

Gltuenfrei

Gibt es in vielen Variationen: Nuss-Fruchtmischung

Vor dem Abflug nach Deutschland deckte ich mich noch mit glutenfreiem Schokomüsli, Salzbrezeln und vor allem Nuß-Fruchtmischungen von Gourmet-Nut, die alle glutenfrei, natural und vegan sind. Diese Nuß-Fruchtmischungen helfen mir inzwischen, wenn ich eine kleine Hunger-Attacke oder einen Durchhänger habe und Kekse oder eine Wurstsemmel sind ja für mich tabu.

So eine Umstellung öffnet auch den Blick für Neues

Inzwischen komme ich mit dem glutenfreien Essen sehr gut zurecht und entdecke immer neue Gerichte, die ich essen kann. Wie zum Beispiel Falafel oder ich habe mich an ein altes bayerischen Rezept namens Fingernudeln wieder erinnert. Inzwischen backe ich auch wieder, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

 

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